Der kulturpolitische Totalschaden bei der Bewältigung der Documenta-Krise wird immer offensichtlicher. Und wie steht es eigentlich um die Kunst?
Das ist das Gerüst, an dem das Kunstwerk „People’s Justice“ des Kollektivs Taring Padi hing. Aufgrund von antisemitisch zu lesenden Figurendarstellungen wurde es demontiert.
Einige scheinen das Donnerbeben, das seit ein paar Tagen die internationale Kunstwelt erschüttert, immer noch nicht vernommen zu haben. Noch am Mittwoch hat Jörg Sperling, der Vorsitzende des Documenta-Forums, die Entfernung des als antisemitisch kritisierten Kunstwerks auf der Kasseler Kunstausstellung infrage gestellt. „Eine freie Welt muss das ertragen“, sagte Sperling.
Damit war der Chef des Forums, das sich zur Aufgabe gemacht hat, das geistige und kulturelle Erbe der Kasseler Ausstellung zu pflegen, gar nicht sehr weit von der Position von Kulturstaatsministerin Claudia Roth entfernt, die noch am 11. Juni dem Magazin Der Spiegel erklärt hatte, dass sie nicht „als Kulturpolizistin den Daumen hebe oder senke über einzelne Kunstwerke“. Für sie sei die Documenta „ein freudiger Anlass“.
In dem Papier heißt es laut dpa: „Die Verantwortlichkeiten zwischen vor allem der Geschäftsführung sowie den Kuratorinnen und Kuratoren sowie auch dem Aufsichtsratsvorsitzenden und den Gremien müssen klar geklärt und es müssen daraus Konsequenzen gezogen werden.“ Künftig sollen Verantwortlichkeiten „klar abgegrenzt und vereinbart werden“.
Mit ihrer 15. Ausgabe steht die Documenta als herausragende deutsche Kunstinstitution an einem Scheidepunkt, über den nicht länger nur politisch, sondern auch ästhetisch gestritten werden muss. Mit der Bestellung von Ruangrupa hat man sich für ein Konzept entschieden, das ausdrücklich auf Nicht-Kunst aus ist.