Wie tolerant ist Köln? Seit 15 Jahren ist Ken Reise als Julie Voyage als Künstler unterwegs. Er spricht über Vorurteile, die Kölner Altstadt und den Karneval. Köln Toleranz
Wenn Ken Reise abends vor dem Schminkspiegel steht, dann taucht er nicht nur den Pinsel in das Make-up, sondern auch selbst ein in eine ganz andere Welt.
„Wenn man so will, mein zweites Gesicht“, sagt der Künstler im EXPRESS.de-Gespräch. Seit mittlerweile 15 Jahren verkörpert er die schillernde Figur der Julie Voyage nun schon – und hat den kölschen Klamauk für sich entdeckt.„Travestie höre ich nicht so gerne, denn das trifft es nicht ganz“, findet Ken. „Vielleicht eine Mischung daraus mit vielen kölschen Elementen und einer großen Portion Selbstironie.
Ein Mix, der ihn mittlerweile neben der „Lachexpedition“ und anderen Auftritten auch in den Karneval gespült hat. „Das hat gedauert“, gibt Julie Voyage zu.„Ich bin ein Rummelnutte”, kann Ken Reise alias Julie Voyage über sich lachen. Überhaupt: Das große Wort der Toleranz in Köln wird ihm etwas zu oft in den Mund genommen. Er sagt: „Ob wir jetzt alle so tolerant sind, stelle ich mal dahin“. Vielfach brauche es noch viel Überzeugungsarbeit. „Aber wenn man das überwunden hat, fluppt es meistens immer.“Tagsüber arbeitet Reise mit Jackett in der Eventagentur Event Werkstatt, nachts wird er zu Julie Voyage. Für ihn kein Widerspruch: „Das ergänzt sich hervorragend.
Reise ist kein Kämpfer für Homosexualität – er meint, dass das überhaupt keine Rolle spielen darf. „Letztlich mache ich das nie zum Thema. Es geht in meiner Rolle um Spaß und Unterhaltung – dafür stehe ich auf der Bühne. Aber ein Statement für mehr Toleranz untereinander, dafür bin ich mir auch nicht zu schade.“