Als Abayomi Bankole nach Hannover kommt, läuft für ihn nicht alles rund. Trotzdem ist die Stadt seine Heimat geworden – dank Willy Brandt.
„Wie lange brauchen Sie fürs Gespräch“, fragt Abayomi Bankole. Für ihn ist Zeit ein knappes Gut Foto: Joanna Nottebrock
Drinnen: In der geräumigen Altbauwohnung in der Voßstraße wohnt er seit 20 Jahren. An den Wänden unzählige Fotos von seiner großen Familie. Vieles wirkt typisch deutsch, die Porzellanengel, die schwere schwarze Ledercouch. Doch in einer Glasvitrine erinnern ihn Trommeln und afrikanische Figuren an Nigeria.
taz am wochenende Familienstruktur: Ob der Vater gefehlt hat? Natürlich, aber so sei das in Afrika. „Bei uns sind Väter vor allem fürs Finanzielle zuständig.“ Wer aber glaube, dass afrikanische Frauen keine Macht hätten, liege falsch. „Sie haben die Hosen an, geben den Männern aber das Gefühl, die Größten zu sein.“ Der Familie geht es finanziell sehr gut, deshalb können die Kinder aufs Internat.
Hannover: Ein Cousin lädt ihn zu sich nach Hannover ein. Dort hausen die beiden in einer Einzimmerwohnung, die Toilette ist im Treppenhaus. Er wartet auf Rückmeldung von der Lufthansa, wo er seine Pilotenausbildung fortsetzen will, sonst hat er wenig zu tun. Die Stelle: „Irgendwann blieb ich dann im Auto sitzen.“ Nur sein Freund ging zu den Chefs und fragte nach einer Lehrstelle. Eines Tages kommt sein Freund aus einer Werkstatt und ruft: „Junge, du hast die Stelle.“ Als sein zukünftiger Chef ihn sieht, schluckt er. „Sie hatten uns nicht gesagt, dass er schwarz ist.“ Das sei doch kein Problem, interveniert seine Frau. „Aber wir wollen das Okay der Belegschaft.“ Es klappt. „Ich wurde der Liebling des Unternehmens.
Angekommen: Im Taxi kommt er viel mit Kund*innen ins Gespräch. Eine ist Finanzberaterin; sie nimmt ihn mit zu ihrem Job. Es dauert nicht lange, bis er, wie er sagt, in einem „typisch deutschen“ Geschäftsfeld Fuß fasst. Bankole wird erfolgreicher Versicherungsmakler. 90 Prozent seiner Kunden seien Deutsche, darauf ist er stolz. „Manche Kunden kommen seit 30 Jahren.“ Den Traum, Pilot zu werden, gibt er erst mal auf. „Da muss man dann auch die Kirche im Dorf lassen.
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