Es sei ein fulminantes Erinnerungswerk: Auszug aus der Laudatio von Frank-Walter Steinmeier auf Emine Sevgi Özdamar zum Schillerpreis.
Emine Sevgi Özdamar, die Preisträgerin des Schillerpreises, steht zur Verleihung auf der Bühne Foto: Uwe Anspach/dpa
Sie war jetzt wieder ein Land, wo das Töten erlaubt war. „Ich werde gehen“, sagt die Erzählerin in Ihrem neuesten Roman – trotz all der widerstreitenden Gefühle, die sie hat. Und gegangen sind auch Sie, liebe Frau Özdamar. Gehen, das hieß damals, Ihre Familie, Ihr Land, Ihre Sprache zu verlassen. Sie, liebe Frau Özdamar, haben dieses zusammengesetzte Wort wunderbar ironisch und lakonisch zugleich in seine Bestandteile zerlegt: Bei einem „Gastarbeiter“ denken Sie an zwei Personen, an einen Gast und einen, der arbeitet. Eine Erfahrung, die Sie auch selbst gemacht und später literarisch umgesetzt haben. Ein paar Monate lang verdienten Sie Ihr Geld in einer Fabrik in West-Berlin.
Heimat, dieser in der deutschen Geschichte so oft missbrauchte Begriff, lässt sich nicht leicht fassen und schon gar nicht verordnen. Es ist ein schillernder Begriff, einer, der sich mit Gefühlen, Erinnerung und Vertrautheit verbindet. Menschen sind in der Geschichte immer gewandert. Und auch in unser Land wandern seit Jahrhunderten – und vor allem in den letzten Jahrzehnten – Menschen zu.
Deutsch, das ist für Sie, liebe Frau Özdamar, die Sprache, in der, wie Sie es so wunderbar beschreiben, die Wörter keine Kindheit haben, anders als das Türkische. Und doch entschieden Sie sich für diese Sprache, mit einer Radikalität, die ich bewundere. Die Sprache und damit ein Stück der eigenen Identität zu verlieren, das ist und bleibt eine existenzielle Erfahrung, die in vielen Werken unserer neueren Literatur eine Rolle spielt. Sie, liebe Emine Sevgi Özdamar, Sie haben eine neue Sprache gefunden – und das im doppelten Sinne. Sie waren eine der ersten Schriftstellerinnen aus der Türkei, die auf Deutsch schreiben. Schreiben? Auch das ist nur eine Annäherung.
Die Ablehnung als „Fremde“ Mit Stereotypen belegt zu werden, auf Ablehnung als „Fremde“ zu stoßen, diskriminiert, diffamiert, ausgegrenzt oder gar Opfer von Hass und Gewalt zu werden: Das ist eine Erfahrung, die viele Menschen, die zu uns nach Deutschland gekommen sind, teilen. „In der Fremde wird der Mensch auf sich zurückgeworfen, weil er andauernd daran erinnert wird, dass er fremd ist“, warnt auch der Chor der Krähen in „Ein von Schatten begrenzter Raum“.
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